Am Pfingstwochenende 2026 gestaltete sich das Wetter mit einem stark ausgeprägten Hochdruckgebiet sommerlich. Die Temperaturen lagen zur Startzeit um 23°C und der Wind, einschließlich der Böen, im einstelligen Knoten-Bereich. Die Temperaturen über Tag mit teilweise 30°C sorgten für ausgeprägte thermische Ablösungen und damit verbundene Böen.

Da der Ballon mit seiner Hülle (beim Energieballon 3000 m³ Inhalt) sehr sensibel gegen zu starken Wind ist, liegen unsere Startzeiten in den Morgen- bzw. Abendzeiten. Der speziell für Ballonfahrer ausgegebene Wetterbericht des Deutschen Wetterdienstes beinhaltet unter anderem Zeitangaben für Thermikbeginn und Thermikende. Mit den Produkten des DWD haben wir dann zwei wunderbare Fahrten mit dem Energieballon geplant und durchgeführt.

Zur ersten Ballonfahrt am Freitagabend hatten wir Gäste aus Niederhenneborn, die sich trotz des anstehenden Schützenfestes in Oberhenneborn spontan zu dieser Fahrt entschlossen haben. Um unseren Mitfahrern einen Blick auf ihren Heimatort zu ermöglichen, habe ich als Startplatz eine Wiese in Berghausen bei Schmallenberg ausgewählt. Der vorhergesagte Südwind sollte uns also Richtung Reister Tal, möglicherweise über Henneborn, treiben. Die Informationen des Schweizer Wetterdienstes „meteoblue“, die ich gerne zum Vergleich mit dem DWD nutze, zeigten uns sehr ähnliche Voraussetzungen.

Direkt nach dem Start bewegten wir uns mit 320° in Richtung Bremke. Um die Windrichtung in größerer Höhe zu testen, stiegen wir auf 4500 ft (ca. 1350m). Auch da oben war die Drift mit 45° entsprechend der Vorhersage und damit in Richtung Remblinghausen. Die beiden Ortschaften Ober- und Niederhenneborn waren schon zu erkennen. Allerdings verwirrte mich das neue Windrad bei Oesterberge mit seiner linken Drehrichtung.

Wenn man sich mit Rückenwind einem Windrad nähert, dreht es rechts herum. Diese Linksdrehung ließ also darauf schließen, dass in Bodennähe der Wind um 180° gedreht war. Nach dieser Erkenntnis war für mich klar, dass wir das Schützenfestdorf nicht erreichen würden.  Der schnelle Abstieg mit 3,5 m/Sekunde ließ den Ballon um seine eigene Achse drehen und die Orientierung wurde anspruchsvoll.

In 150 m über Grund angekommen, bestätigte sich die Winddrehung auch bei uns und es ging mit 200° Fahrtrichtung wieder zurück. Über Mailar habe ich dann nach einer Stunde in der Luft die Landung vorbereitet. Das besonders sanfte Aufsetzen auf einer frisch gemähten Wiese am Ortsrand ließ die anfänglichen Bedenken gegenüber einer Ballonfahrt endgültig verschwinden. Beim gemütlichen Landefest mit den Kindern und Enkelkindern, die den Ballon im Auto verfolgt haben, war den Hennebornern die Begeisterung über die Ballonfahrt anzusehen.

Die Wetterprognose für Pfingstmontag war bezüglich einer Ballonfahrt sehr vielversprechend und die Zusage der Mitfahrer kam - trotz der zahlreichen Freizeitangebote über die Feiertage - spontan.

Die gesamte Vorbereitung des Ballons für den Start ist schon recht aufwändig und benötigt entsprechend Zeit. Die zu erledigenden Aufgaben umfassen das Wetterbriefing, Kontrolle des Luftraumes (evtl. Beschränkungen), Notieren von Funkfrequenzen in der Nähe der geplanten Route, Zusammenstellung der Balloncrew, Mitfahrer einladen, Klarmachen des Verfolgerfahrzeuges, Füllen der Propangaszylinder, Kontrolle der Stromversorgung der Instrumente, Tanken des Aufrüstgebläses, Auswahl des Startplatzes mit Einholen einer entsprechenden Genehmigung, Erstellung der Fahrtdokumente für die Luftfahrtbehörde, Vorbereitungen für das Landefest, Kühlung der Getränke und natürlich relaxed zu bleiben, um die Ballonfahrt sicher durchführen zu können.

Hört sich bestimmt abschreckend an… - wird aber mit jeder wunderschönen Ballonfahrt entschädigt.

Also, mit den Mitfahrern haben wir uns an einer gemähten Wiese in Wehrstapel für 1900 verabredet. Als das Ballonteam mit dem gesamten Equipment dort ankommt, steht schon ein Ballonteam vor Ort - und kurze Zeit später auch das dritte. So ein gemeinsamer Start mit mehreren Ballonen ist für die Mitfahrer und auch das Team immer etwas Besonderes, weil man mehrfach beobachten kann, wie sich die unterschiedlichen Ballone beim Aufblasen entwickeln.

An diesem Abend standen kurz vor dem Start zwei fast identische Ballone mit der Werbung von Volksbank auf der Wiese und der Energieballon in der Mitte ergab den Kontrast. Die Volksbankballone hatten jeweils einen Piloten mit dem Vornamen Daniel. In der Reihenfolge Volksbank, Hochsauerland-Energie, Volksbank sind wir gestartet, um gemeinsam über das Sauerland zu fahren.

Bis über Remblinghausen waren alle noch recht dicht zusammen. Das änderte sich allerdings, nachdem wir unterschiedliche Höhen eingenommen hatten, um Landeflächen zu suchen. Unsere Fahrt ging noch über einige bewaldete Hügel bei Landenbeck und Kirchilpe. Im nächsten Tal liegt Nierentrop, wo ich eine geeignete kurz gemähte Wiese zur Landung angepeilt habe.

Kaum standen wir auf dem Boden kamen unsere Verfolger schon und der Ballon konnte schnell verpackt werden. Beim obligatorischen Landefest hatten wir noch bis nach Sonnenuntergang Spaß und konnten die Eindrücke der Ballonfahrt austauschen.

Die Nierentroper könnten sich an dem Abend vielleicht an die biblische Geschichte erinnert haben, in deren verschiedenen Versionen die Aussendung des Heiligen Geistes an Pfingsten mit Flammen und Feuer erwähnt wird. 

Also schaut öfters mal nach oben, vielleicht sind wir schon da.

Euer Pilot Andreas