Vom 6. bis zum 8. August hatte die Stadt Szczecinek in Polen wieder ein Ballontreffen organisiert. Anders als bei den zuvor durchgeführten Veranstaltungen hatte sich das Organisationsteam komplett neu aufgestellt und damit war auch keine Vertretung mehr zugegen, die der deutschen Sprache mächtig war. Ebenso und vielleicht auch aus dem Grund hatte sich - außer uns - kein deutsches Team um eine Teilnahme beworben.

Ich muss gestehen, dass ich deswegen zu Anfang auch etwas mit der Anmeldung gezögert hatte. Allerdings war der Reiz, sich ausschließlich mit polnischen und einem schwedischen Team zu arrangieren auch sehr groß. Und frei nach dem Motto „nach einem Bierchen spreche ich alle Sprachen“ waren die Formalitäten schnell geregelt und man freute sich auf uns.

Am Mittwoch, 5. August, ging es dann endlich los. Das Auto-Ballonanhängergespann - mit Team bestehend aus Peter, Johannes, Markus und mir - rollte pünktlich um 0500 vom Hof Richtung Osten. Bei angenehmer Temperatur und ohne Niederschlag sollte es eine stressfreie Reise werden. Die Autofahrt mit ca. 820 km verlief ohne Verkehrsprobleme mit ausreichend Pausen recht entspannt, so dass wir nach 12 Stunden unser Ziel erreicht hatten.

Zuerst haben wir uns im Hotel einquartiert. Da das Hotel Quattro, wie bei den beiden vorherigen Ballontreffen, auch wieder für uns gebucht war, kannte ich die Gegebenheiten und einige Hotelangestellte, die uns herzlich begrüßten. Nach der Fahrt war ein Spaziergang zu einem Lokal eine willkommene Abwechslung und da wir am nächsten Morgen noch kein Programm hatten, konnten wir den lauen Sommerabend bei einem polnischen Bierchen genießen.

Am Donnerstag sind wir nach einem ausgiebigen Frühstück zum Schloss von Szczecinek gefahren, um dort für das Event einzuchecken. Die Prozedur ist durch die einheitlichen Lizenzen und Versicherungsvorgaben für die Luftfahrzeuge und Piloten in der EU klar geregelt und war somit schnell und problemlos erledigt. Allerdings mussten sich jetzt die Verantwortlichen - genau wie wir - auf eine Konversation in englischer Sprache einstellen. Das Briefing, mit allgemeinen Informationen rund um die Veranstaltung und auch das Fahrtbriefing für die erste Abendfahrt, wurde für uns und Stefan, den schwedischen Piloten, in Englisch abgehalten.

Leider waren, wie ich beim Selbstbriefing schon gesehen hatte (Studium der Wetterbedingungen im Computer), die Bedingungen für eine Ballonfahrt nicht positiv. Der Wind war für einen Ballonstart zu stark. Dennoch sind alle Teams zum Startgelände gefahren. Am Plac Koncertowy war eine große Kirmes aufgebaut und es erwarteten uns einige tausend Zuschauer. Um auch ohne Ballonstart noch etwas Action zu bieten, haben einige Teams ihre Körbe aufgerüstet und mit den Brennern gefackelt. Gegen 2200 Uhr gab es noch einen abendlichen Snack und danach sind wir zum Hotel gefahren, um noch ein paar Stunden Schlaf vor dem Frühstart zu bekommen. Tatsächlich: um 0230 wurde auch die Fahrt wetterbedingt gecancelt und wir konnten ausschlafen.
Am nächsten Morgen habe ich gleich wieder den Computer bemüht, um die Wetterbedingungen für Freitagabend und den Samstag zu checken. Eine deutliche Verbesserung des Wetters war zu erkennen und so wurde beim Briefing entschieden, die erste Fahrt am Freitag durchzuführen. Da wir uns auch für den Wettbewerb angemeldet hatten, konnten wir den Startplatz frei wählen und sind einige Kilometer nach Westen gefahren.

Die erste Wettbewerbsaufgabe war ein auf einem Fußballplatz ausgelegtes Zielkreuz, das mit dem Marker (ein Stoffstreifen mit einem Sandsäckchen) getroffen werden musste. Leider war unsere Distanz zum Ziel zu groß und wir konnten den Marker nicht abwerfen. Dennoch hatten unser polnischer Gast und Johannes aus unserem Team eine wunderbare Ballonfahrt mit sanfter Landung auf einem abgemähten Rapsfeld.

Am nächsten Morgen klingelten um 0315 Uhr vier Wecker gleichzeitig und das gesamte Team war hochmotiviert für die erste Frühfahrt in Polen. Das Wetterbriefing ließ keine Zweifel an dieser Fahrt zu. Die Wettbewerbsaufgaben wurden auch etwas verschärft, so dass als erster Aufgabenteil wieder ein Zielkreuz, diesmal auf dem Plac Koncertowy, ausgelegt war. Die zweite Aufgabe bestand darin, einen Ballon, der 20 Minuten vor den anderen starten sollte, so nah wie möglich zu verfolgen (Fuchsjagd).

Für die erste Aufgabe habe ich zusammen mit dem schwedischen Piloten ein Feld als Startplatz ausgewählt, was unserer Meinung nach genau so lag, dass uns der Morgenwind zum Zielkreuz treiben musste. Unsere Ballone waren fast zeitgleich startbereit und gleich die erste Fahrtrichtung bestätigte die Startplatzwahl. Stefan lag mit seinem Marker 17 m am Ziel und wir 32 m. Da die Strategie der Mitbewerber nicht aufging, waren wir am Ende die einzigen zwei Ballone, die in der Wertung lagen. Den bereits gelandeten „Fuchsballon“ haben wir dann leider nicht markern können, aber wir waren doch so nah, dass wir ohne Markerabwurf noch in der Punktewertung lagen.

Diesmal war Peter mit im Korb und eine Passagierin aus Polen, die begeistert war, dass wir direkt über ihr Elternhaus in Szczecinek gefahren sind. Die Landung war exakt an der gleichen Stelle wie am Abend zuvor. Eigentlich hätten wir dafür auch noch Bonuspunkte bekommen müssen. Jetzt noch die Taufe unserer polnischen Mitfahrerin, danach Gasflaschen auffüllen und anschließend mit den anderen Teams zum Brunch ins Hotel.

Vor der Abendfahrt haben wir beschlossen, ein Mittagsschläfchen zu machen, um ausgeruht die letzte Fahrt dieser Veranstaltung machen zu können. Wieder ein Briefing mit Informationen für die Ballonfahrt und wieder neue Aufgaben im Wettbewerb. Diesmal musste das Zielkreuz anhand von Koordinaten gefunden werden und als letzte Aufgabe ein weiteres Kreuz zur Endlandung. Der Startplatz war für alle Teams am Plac Koncertowy vorgegeben, so dass man mit den Windrichtungen in unterschiedlichen Höhen steuern musste.

Bei diesem Start kamen die zahlreichen Zuschauer voll auf ihre Kosten und die Ballone wurden lautstark in den polnischen Himmel verabschiedet. Dank Google Maps hatten wir das erste Ziel schnell gefunden und laut Windvorhersage mussten wir sehr hoch fahren, um in die Richtung zu kommen. Leider stimmten die Prognosen nicht und wir konnten den Marker nicht abwerfen. Aber die Nähe zum Ziel brachte uns wieder einige Punkte. Auch die letzte Aufgabe war für uns etwas abgelegen. Die letzte Fahrt konnte ich mit Markus und einer jungen polnischen Frau genießen. Das Verfolgerfahrzeug wartete schon vor der Landung auf einer kurz gemähten Wiese auf uns und dann war der Ballon schnell verpackt. Auch für unsere Passagierin war es die erste Ballonfahrt und somit eine Ballontaufe fällig. Genau wie die anderen davor in Englisch. Aber wie heißt es so schön, man wächst mit seinen Aufgaben.

Nach dem Gastanken hat die Veranstaltungsorganisation noch ein opulentes Abendessen vorbereitet, wobei wir noch mit den anderen Ballonteams interessante Gespräche führen konnten. Wie schon erwähnt, mit einem Bierchen ist man international. Beim morgendlichen Brunch im Hotel haben wir uns verabschiedet und sind nach 14 Stunden im Auto wohlbehalten wieder zu Hause angekommen. Besonders positiv war, dass wir mit drei wunderbaren Ballonfahrten alle im Team Beteiligten in die Luft über Szczecinek bekommen haben und mit Platz 11 von 19 Teams bin ich mit unserer Leistung bei der Competition auch zufrieden.

Also die nächsten Fahrten finden wieder in heimischer Umgebung statt. Wenn euer Interesse geweckt ist, meldet euch.

Euer Pilot Andreas