Freitag, der 18. Juli: Schon drei Tage vorher zeichnete sich in den Wetterprognosen für Freitagabend ab, dass die Bedingungen für eine Ballonfahrt gut sein würden. Mit jeder neuen Vorhersage wurde die Windgeschwindigkeit weniger. Am Freitag lag der Wind bei 0-1 kt. Jetzt waren wir von dem einen Extrem - zu viel Wind - bei dem anderen - nämlich zu wenig Wind.

Also, ganz klar keine Option im Sauerland zu starten. Man stelle sich vor, über einer bewaldeten Fläche zu hängen, die Landewiese zu sehen, aber kein Lüftchen treibt uns dorthin. Nach einigen Überlegungen habe ich den Start in die Soester Börde verlegt. Dort sind durch die ausgebreitete Landwirtschaft sehr viele Felder, von denen auch schon vereinzelte abgeerntet waren. Ebenso habe ich entschieden, mit einer zu erwartenden Distanz von 2-3 km Luftlinie, keine Gäste einzuladen.

Somit hatten die Verfolger die Möglichkeit, auch mal wieder mit dem Energie-Ballon in die Luft zu gehen. Ganz klar musste das Verfolgerfahrzeug mit dem Anhänger hinter dem Ballon herfahren, aber das Team hat sich sehr schnell geeinigt, wer im Korb sein würde. Um 1800 sind wir dann nach Mellrich, nördlich vom Haarstrang, gefahren, um den Ballon neben dem Sportplatz aufzurüsten. Wir mussten noch ca. 20 Minuten abwarten, bis die letzten thermischen Böen vorbei waren und konnten dann mit einer Geschwindigkeit von 2-3 kt Richtung Altenmellrich fahren.

Über Altenmellrich habe ich per Funk Kontakt mit dem Flugplatz Soest-Lohne aufgenommen, um auf uns aufmerksam zu machen. Die Fallschirmspringer waren aktiv und die Absetzmaschine schraubte sich in unserem Bereich in die Höhe. Mein Plan war es, dort auf 4000 ft zu steigen, weil die Prognosen ab der Höhe einen leichten Westwind vorhergesagt hatten. Tatsächlich hatte sich diese Prognose bewahrheitet und wir fuhren jetzt etwas schneller wieder Richtung unseres Startplatzes. Fast über dem Verfolgerauto, was noch auf der Startwiese stand, sind wir wieder abgestiegen und konnten den ersten Teil der Ballonfahrt wiederholen.

Die weitere Fahrt in Sicherheitsmindesthöhe 800 ft über den Feldern ging Richtung Möhnesee. Immer wieder mussten wir die Fahrthöhe wegen der vielen Windräder auf dem Haarstrang verändern. Kurz vor Niederbergheim habe ich ein abgeerntetes Feld entdeckt und dieses auch spontan als Landefläche ausgewählt. Auf dem Haarstrang stehen nicht ohne Grund so viele Windkraftanlagen. Deswegen hatten wir bei der Landung praktisch die größte Windgeschwindigkeit der gesamten Ballonfahrt. Der Ballon konnte so grade noch stehend gelandet werden und das Team hatte sichtlich Spaß, ein wenig durchgeschüttelt zu werden. Die Verfolger waren sofort zur Stelle und nach dem Verpacken der Ausrüstung haben wir das obligatorische Landebier vor der Heimfahrt genossen. An dieser Luftreise konnte man wieder deutlich erkennen, dass Ballonfahren immer ein besonderes Erlebnis mit Überraschungen ist. Die vorher angenommene "Stehparty", mit identischem Start- und Landeplatz ist nicht eigetreten.

Mit der Hoffnung, unseren Lesern einen kleinen Einblick in unser wunderschönes Hobby zu geben, verbleibe ich mit dem Ballönergruß

Glück ab und gut Land
Euer Pilot Andreas
Fotos Annette Gockel, Andreas Rohleder